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Das Familienerbstück

Text und Musik: Hans Reißner

5 Sterne, er lebt zwischen Lobby und Bar,
viel Business, viele Klunker und täglich ein Star.
Bei ihm werden Cocktails auf Englisch bestellt,
er kann auch Französisch, wenn's Ihnen gefällt.

Er läuft mit Champagner und denkt, wär das schön,
auf der prickelnden Seite des Lebens zu steh´n.
Den Weltmann markieren, zum höchsten Tarif,
da erreicht ihn vom Vater ein wichtiger Brief.

Lieber Sohn,
nach reichlichen Überlegungen und auf Anraten meines Arztes, bin ich zu dem Entschluss
gekommen, den Schlüssel zu unserem geliebten Familienbesitz und erfolgreichen Unternehmen seit
1857 weiterzureichen und mich alsbald und vorzeitig zur Ruhe zu setzen. Es liegt nun an dir, das Erbe
anzunehmen und weiter zu führen, so wie es schon Generationen vor dir getan haben und
hoffentlich weiter tun werden....
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Ein Landhotel zünftig mit Blick auf den See,
mit Sommerterrasse und Jacobs Kaffee.
Restaurant, Wintergarten, an der Wand ein Gewehr,
ein Festsaal zum Feiern, was will man noch mehr.

Geburtstage, Hochzeiten laufen hier toll,
auch Ostern, Silvester sind jedes Jahr voll.
Dank treuer Senioren wie Herrn und Frau Schleich –
mit Sonntagsausflüglern nur, wird man nicht reich.

Der Service in Blüschen mit schnottrigem Ton,
die Küche ein Mekka für Osttradition.
Das Mehl macht die Sauce, drin schwimmt der Salat,
Gemüse aus Büchse, das Fleisch zäh und hart.

Da steht nun dein Erbe, du neureicher Prinz,
fernab von der City, in tiefer Provinz.
Es könnt' so romantisch sein, eines ist klar -
dass dies noch nicht dein letzter Arbeitstag. war.

Er würd gerne Surfen und Sportwagen fahr´n,
die Kohle verjubeln, jetzt soll er sie spar´n.
Das Haus ist zu teuer, er muss fest mit ran,
das kotzt ihn nun wirklich und jeden Tag an.

Vom Vater kein Mitleid, das kann man versteh´n,
2 Mal fiel er um, wollt die Enkel noch sehn.
So gab er das Zepter aus Trotz an den Sohn,
regiert weiter durchs Fernglas von seinem Balkon.

Der Garten, das Lieblingsstück seines Patron,
nur leider ist kürzlich der Gärtner entfloh´n.
Der Krankenstand hält seine Nerven auf Trapp,
die Putzfrau will Mindestlohn, sonst haut sie ab.

Da steht nun dein Erbe, du neureicher Prinz,
fernab von der City, in tiefer Provinz.
Es könnt so romantisch sein, eines ist klar -
dass dies noch nicht dein letzter Arbeitstag. war.

Die Zimmer im Landhausstil, äußerst gepflegt,
die Sessel barockig mit Kissen belegt.
Tapeten die mahnen, hier spricht man nur leis,
die Betten zum Schlafen und unschuldig weiß.

Rotkäppchen halbtrocken, ein Schnäpschen oho,
wie geil war das Leben als Bargigolo.
Chantalle, Zimmer 8, lutschte oft seinen Schwanz,
jetzt führt er die Rentner zum Ententanz.

Doch dererlei Dinge sind strengstens tabu,
hier geht es gediegen und volkstümlich zu.
Hier rocken die Schlager, hier wackelt die Wand,
beim Frühstück mimt jeder die Unschuld vom Land.

Da steht nun dein Erbe, du neureicher Prinz,
fernab von der City, in tiefer Provinz.
Es könnt so romantisch sein, eines ist klar -
dass dies noch nicht dein letzter Arbeitstag. war.

Zum Glück gibt´s Monique, seine heutige Frau,
sie schmeißt ihm die Wirtschaft, ist fachlich und schlau.
Was gestern war zählt nicht, sie tut was sie denkt
und zeigt der Bagage charmant, wer hier lenkt.

Er nimmt es gelassen und lässt sie gewährn,
wer will kann sich gerne bei Papa beschwern.
Er schaut auf die Ahnen der Saalgalerie
und träumt sich als Guru der Hotellerie.

Ein Mustergeschäftsmann, die Taschen voll Geld,
als Stammgast in unzähligen Bars dieser Welt.
in Clubs und Casinos, den feinsten Adressen,
ein Gentlemen like ohne Stress und Malessen.

Daheim boomt sein Erbschloss, von Allen geliebt,
ein Vorbild, ein Gönner, wie' s selten nur gibt.
Der Vater voll Stolz und mit Tränen im Blick -

Ich wünsche ihm dabei von Herzen viel Glück!!!